In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Nachdem ich vor einem Jahr aus der historisch gewachsenen Astroliste einen Blog auf WordPress erstellt habe, folgt nun der nächste Schritt.

Ich habe mir nun eigenen Webspace gekauft und die Domäne Blindnerd.de reserviert. Auf meinem Webspace installierte ich dann ein eigenes WordPress und habe den Blog von https://blindnerd.wordpress.com auf http://blindnerd.de umgezogen.

Das wäre mir ohne meine sehende Arbeitsplatzassistenz entweder gar nicht gelungen, oder ich hätte Ewigkeiten dazu gebraucht. Vielen Dank an sie dafür.

 

Der Vorteil, den ich mir an dieser Stelle verspreche ist, dass ich nun mit eigenem WordPress viel mehr Möglichkeiten habe, künftig meinen Blog noch barriereärmer zu gestalten. Es stehen mir nun viel mehr Funktionen zur Verfügung, als ich bei der kostenlosen Variante auf WordPress hatte. Ganz wichtig ist mir hier auch, dass es mir nun möglich sein wird, auch Audio-Dateien in meine Beiträge mit einzubauen. Mit diesem Schritt rückt die Möglichkeit, mittelfristig mal über die Erstellung eines eigenen Podcasts, nachzudenken, etwas näher. Nicht zuletzt, kann ich meine Seiten um viele Angebote anreichern, die ich nutze und empfehlen kann.

 

Der alte Blog wird dann zum Jahresende eingestellt, läuft aber noch parallel mit, dass ihr Zeit habt, auf den neuen Blog umzustellen.

Wer den Blog als RSS-Feed abonniert hat, kann den neuen Blog mit

http://blindnerd.de/feed

ganz einfach auch wieder im RSS-Reader seiner Wahl abonnieren.

Wer dem Blog per Mail folgen möchte, der findet auf der rechten Seite ein Eingabefeld, wo eine Mailadresse hinterlegt werden kann. Wer das tut, erhält dann eine Mail, in welcher ein Bestätigungslink enthalten ist. Mit Klick auf diesen Link bestätigt man die Anmeldung. Danach erhält man immer dann eine Mail, wenn ich wieder einen neuen Artikel veröffentlicht habe.

Wer Fragen zu all dem hat, darf sich gerne bei mir melden.

Jetzt hoffe ich, dass der Umzug für uns alle komfortabler geworden ist.

Zumindest die Navigation durch die Artikel geht jetzt schon deutlich einfacher.

Die neuesten zehn Artikel sind sofort navigierbar. Jeder Artikel startet mit einer Überschrift der Ebene zwei, so dass diese mit Screenreadern unmittelbar angesprungen werden können. Die restlichen Artikel verbergen sich dann unten auf der Seite hinter nummerierten Seiten, die dann aufgeklappt werden können.

Vermutlich baue ich hier aber noch eine Kategorisierung ein, damit man die Artikel sowohl in zeitlicher, als auch nach Themen geordnet, abrufen kann.

Hier wäre ich dankbar, wenn die Mitbloggerinnen und Mitblogger unter uns, die meinen Blog lesen, mir Verbesserungsvorschläge machen würden. WordPress ist ein sehr komplexes Werkzeug, so dass ich hier für alle Vorschläge dankbar bin.

Jetzt wünsche ich viel Freude mit dem Neuen Blog und hoffe, dass ich durch den Umzug niemanden von euch verliere.

Beste Grüße

Euer Gerhard.

 

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Die Unreine Sonne

Liebe Leserinnen und Leser,

leider ist der 31.10., der Reformationstag, in diesem Jahr kein Feiertag mehr. Dieses Geschenk erhielten wir im letzten Jahr anlässlich des 500 Jahre Luther-Jubiläums.
Immerhin ist in manchen Bundesländern der 01.11. einer.
Und weil das im letzten Jahr mit dem zusätzlichen Feiertag so schön war, nehme ich in diesem Jahr nochmal ein Thema, das mit der Evang. Kirche und Astronomie zu tun hat.

Wer wissen möchte, was Evangelische Pfarrer mit der „unreinen“ sonne zu tun haben, sollte hier weiter lesen.
Zur Reformation, Martin Luther  und Astronomie, findet sich nicht gerade viel. Was ich anlässlich des Jubiläums letztes Jahr zu Tage förderte, kann, wer mag, nochmal zur Erinnerung zum Luther-Jahr hier nachlesen.

https://blindnerd.wordpress.com/2017/11/02/luther-und-kopernikus/

 

Zu diesem Reformationstag möchte ich mal eines Pastors aus Norddeutschland und seines Sohnes, gedenken. Ich wandle gerne auf den Spuren alter Astronominnen und Astronomen, und da waren eben vor allem viele Kirchenmänner dabei, weil Bildung und Wissenschaft damals zu einem erheblichen Teil in Klöstern stattfand. Auch Kopernikus war ein Mann der Kirche.

Es geht um Pfarrer David Fabricius und seinen Sohn, Johann.

War der Pastor tagsüber für seine Gemeinde da, so widmete er sich des Nachts und in den frühen Morgen- und Abendstunden dem Studium des Sternenhimmels und der Sonne.

Der Evangelische Pastor David Fabricius wurde als Sohn eines Schmiedes in Esens geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt. Er besuchte die Lateinschulen in Norden und vermutlich in Braunschweig. Er bemerkte später einmal, dass Heinrich Lampadius, ein Gelehrter aus Bremen († 1583) in Braunschweig ihn in die Astronomie und Mathematik eingeführt habe.

Huch, in einem Jahr eine Einführung in die Mathematik, dass man damit schon astronomische Probleme berechnen kann?

Nach Abschluss der Schule studierte er, vermutlich in Helmstedt.

Nach seinen Studien, trat er bereits im Alter von 20 Jahren eine Stelle als Pastor  in Resterhafe bei Dornum an.

 

Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wie jung viele damals schon sehr verantwortungsvolle Tätigkeiten übernahmen. John Goodricke, der gehörlose Astronom, machte sich beispielsweise auch schon mit 21 Jahren einen Namen in der Astronomie.

Ich meine, der SchriftstellerWillhelm Hauff verfasste seinen riesigen Roman „Lichtenstein“, als er gerade mal 21 Jahre alt war. Also ich hatte mit 21 Jahren noch Mühe, gute Schulaufsätze zu schreiben, geschweige denn ganze Bücher zu füllen.

 

Von dieser Zeit an beschäftigte sich der Pastor intensiv mit der Astronomie. Er beobachtete Sonne, Mond, Sterne, Planeten, Kometen und Polarlichter und trat in Briefwechsel mit den großen Gelehrten seiner Zeit, darunter Tycho Brahe, dem Astronom Simon Marius und Johannes Kepler. Mit letzterem tauschte er zwischen 1601 und 1609 vierzig Briefe aus, in denen es hauptsächlich um den Planeten Mars ging.

 

Man stelle sich heute mal vor, ein Jüngling von 20 jahren träte in Kontakt mit den Gelehrten unserer Zeit, und würde dabei sogar noch ernst genommen.

Gerade Günstling von Tycho Brahe zu sein, war sicherlich nicht einfach, denn Tycho galt nicht unbedingt als der friedlichste und zugänglichste Zeitgenosse. Sicherlich war auch eine gewisse Arroganz eine Charaktereigenschaft Tychos. Zumindest gab er seine gesammelten Daten nur Häppchenweise an Kepler heraus.

Und sehr streitbar soll Tycho wohl auch gewesen sein. Immerhin trug er eine goldene Nasenprotese, nachdem er seine eigene bei einem Duell verloren hatte.

Im Juli/August 1596 des Gregorianischen Kalenders, bemerkte Fabricius als Erster die Veränderlichkeit des Sterns Omikron Ceti im Sternbild Walfisch. Dieser Stern verändert mit einer Periode von etwa 331 Tagen seine Helligkeit, wobei er im Maximum deutlich sichtbar ist, im Minimum dagegen für das bloße Auge unsichtbar wird. Aufgrund dieses eigenartigen Verhaltens nannte er den Stern in Briefen res mira, seit Johannes Hevelius heißt er Mira.

Und hier schließt sich wieder der Kreis zu dem gehörlosen Astronomen John Goodricke, denn auch er befasste sich mit den Cefeiden, Sternen, die ihre Helligkeit ändern.

 

Interessant ist an dieser Stelle, dass der Pastor offensichtlich keine größeren Probleme mit der Dynamik des Sternenhimmels zu haben schien, die durchaus im Widerspruch zu manchen Inhalten der Bibel stand.

Neben der Astronomie setzte sich Fabricius mit der Meteorologie auseinander, wobei er seine Wetterbeobachtung in ein „Calendarium“ eintrug, das bis heute erhalten ist.

Wie viele andere auch, ging er davon aus, dass Sterne und Mond, unser Wetter beeinflussen könnten.

Dieser Glaube besteht noch heute. Für viele Zeitgenossen ist der Mondwechsel für die Änderungen einer Wetterperiode verantwortlich. Der Stern Sirius brachte den Ägyptern die Nielflut. Es ist aber anders herum. Die Nielflut kam und ging mit den Jahreszeiten. und der Stern Sirius fiel in die Zeit dieser Flut. Nicht die Sommersternbilder machen den Sommer, wie auch z. B. das Wintersechseck nicht für den Winter verantwortlich ist. Unsere Jahreszeiten kommen und gehen ungeachtet der Sternbilder am Himmel, aber sie sind eine gute Orientierung für das, was z. B. wettermäßig eintreten könnte.

 

1611 kehrte sein Sohn Johann (der älteste von sieben Söhnen) vom Studium aus der Stadt Leiden zurück und brachte ein Teleskop mit.

Damit beobachtete dieser u. a. die Sonne, was nicht ungefährlich war, da er keine Hilfsmittel hatte, um das helle Licht abzuschwächen. Er verlegte lediglich die Beobachtungszeit in die Morgen- und Abendstunden, in denen das Sonnenlicht weniger grell war.

 

Am 27. Februar 1611 nahm Johann erstmals dunkle Flecken auf der Sonne wahr. Da er sich zunächst unsicher war, ob es sich um atmosphärische Erscheinungen oder eine optische Täuschung handelte, wiederholte er seine Beobachtungen, wobei er seinen Vater hinzuzog. Da diese Art der Beobachtung ihren Augen schadete,

wandten sie später eine ungefährlichere Beobachtungsmethode an: Mittels einer Lochblende lenkten sie das Sonnenlicht in ein abgedunkeltes Zimmer und betrachteten die Sonnenscheibe auf einem weißen Papierschirm (das Prinzip der Lochkamera (Camera Obscura).

Die stellt zwar alles auf den Kopf, aber oben und unten, ist in der Astronomie nicht so wichtig. Viele Teleskope tun das auch.

 

Die Existenz der Flecken konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden. Deren tägliche Bewegung auf der Sonnenscheibe wurde ganz folgerichtig auf die Rotation der Sonne zurückgeführt. Im Juni des gleichen Jahres veröffentlichte Johann Fabricius in Wittenberg eine 22seitige Schrift De Maculis in sole observatis et apparente earum cum Sole conversione narratio, worin er alle Einzelheiten der Entdeckung beschreibt und seinem Vater einen gebührenden Anteil zuspricht.
bereits der Mönch Christoph Scheiner aus Ingolstadt, Galileo Galilei in Pisa und Thomas Harriot in London hatten im Jahre 1610 Flecken auf der Sonne entdeckt, Johann Fabricius war aber der Erste, der darüber eine wissenschaftliche Abhandlung verfasste und veröffentlichte.

 

Ein wesentlicher Grund für die Erblindung Galileis, dürfte auch bei ihm die häufige Sonnenbeobachtung ohne ausreichenden Lichtschutz vor den Augen gewesen sein.

Lassen Sie und ihr es euch um Himmels Willen niemals einfallen, die Sonne ohne ein Filter direkt und schon gar nicht durch ein optisches Instrument zu beobachten. Das könnte der letzte Blick gewesen sein, und man wird künftig meine Artikel vorgelesen bekommen müssen…

 

Die Entdeckung der Sonnenflecken stand im Gegensatz zur klassischen Anschauung des Aristoteles, nach der die Sonne vollkommen war, und der Lehrmeinung der Kirche, wonach die Sonne gleichsam „unbefleckt“, wie die Jungfrau Maria sein sollte.

Für einen Katolischen Mönch, wie Scheiner es war, war es nicht ohne Risiko, über derlei zu schreiben. So riet ihm sein Abt, besser nicht zu veröffentlichen. Scheiner entdeckte auch, dass die Sonne keine perfekt glatte Oberfläche habe, sondern eher gekörnt sei, vergleichbar vielleicht mit der rauen körnigen Oberfläche einer Orange.

Wie Galilei mit der Inquisition in Konflikt kam, ist hinlänglich bekannt, und die Mutter von Kepler entging nur knapp einem Hexen-Prozess.

Zumindest dieses unrühmlichen Kapitels der Inquisition muss sich die Evangelische Kirche nicht verantworten, was nicht heißen soll, dass es in ihrer Geschichte keine dunklen Flecken gegeben hätte.

 

Das Ende von David Fabricius ist etwas kurios. So soll er kurz vor seinem Tod eine Predigt gehalten haben, in der er behauptete, einen Gänse- und Hühnerdieb zu kennen, er wolle dessen Namen aber nicht preisgeben. Ein selbst erstelltes Horoskop sah für den 7. Mai 1617 Unheil voraus und Fabricius verbrachte den Tag in seinem Haus. Am Abend wähnte er die Gefahr vorüber und machte sich zu einem Spaziergang auf. Auf dem Weg wurde er von einem Bauern, Frerik Hoyer, mit einem Torfspaten erschlagen. Hoyer fühlte sich offensichtlich als Dieb bloßgestellt und war darüber in Zorn geraten. Er wurde wegen seiner Tat zu Tode gerädert.
Heute erinnern ein Denkmal auf dem Friedhof von Osteel und eine Sandsteinplakette an der Kirche von Resterhafe an David Fabricius. Der Mondkrater Fabricius ist nach ihm benannt.

Sein Sohn Johannes starb jung auf einer Fahrt nach Basel, was keppler äußerst bedauerte.

 

Als Quellen zu diesem Artikel verwendete ich zum einen Wikipedia, und zum anderen das Buch „Der Stern von dem wir leben – Den Geheimnissen der Sonne auf der Spur“ von Rudolf Kippenhahn.

 

Da die damaligen Entdecker der Sonnenflecken nicht wussten, was sie sind und wie sie entstehen, bewahre auch ich mir das für einen meiner nächsten Artikel auf.

 

Jetzt wünsche ich Ihnen und euch, wenn auch der Reformationstag kein Feiertag ist, einen geruhsamen 01.11., Aller Heiligen, der zumindest bei uns in Baden-Württemberg einer ist.

Bis zum nächsten Mal grüßt Sie und euch

Gerhard Jaworek.

 

Zum Vollmond heute Nacht eine Mondgeschichte

Ja, Morgen ist Vollmond. Das kommt vor und ist nichts besonderes an sich.

Besonders ist vielleicht, dass jetzt auch Indien mit einer Raumsonde nach dem Mond greift. Es könnte spannend werden, wer der neue erste Mensch des 21. Jahrhunderts auf dem Mond sein wird, und welche Nation dahinter steckt. Ich fände es schön, wenn es ähnlich, wie die ISS ein grenzen überschreitendes Projekt sein würde; ein Beispiel dafür, dass die Menschheit durchaus in der Lage ist, Hürden und Probleme zu meistern, wenn man sie gemeinsam angeht.

 

Vielleicht wundert ihr euch jetzt, wieso ich nichts über die momentan wirklich unglaublichen und zahlreichen Missionen schreibe, die momentan gestartet sind. Ihr kennt mich ja. Das tue ich immer dann, wenn die Medien davon abgelassen haben. Dann kann ich aus dem vollen schöpfen, und die Sache in meine Art von Kontext einbinden.

Deshalb hier einfach mal eine Mondgeschichte, Keplers Traum zum Mond.

Passend zu einem ganz normalen Vollmond ohne Supermond und ohne Mondfinsternis.
Ich werde nicht zum Werwolf und bin auch sonst nicht mondfühlig.

Trotzdem faszinierte der Mond die Menschen schon immer. Heute erzähle ich kurz etwas über eine Mondgeschichte, die mir auch noch gar nicht so lange vertraut ist.

Ich habe sie aus dem Buch „Das Weltgeheimnis“. Das gibt es wunderbar aufgelesen in der Hörbücherei Hammburg.

 

Kein geringerer, als Johannes Kepler, hatte einen Traum vom Mond. Er verfasste ein Traktat, in welchem er seine Vorstellung vom Mond, wie man dort hin kommen könnte, und welche Lebensbedingungen dort herrschten, festhielt.

Der Text diese Traktats ist heute kaum noch bekannt.
Ein Dämon wird zum Erzähler und berichtet zunächst von dem komplizierten und anspruchsvollen Auswahlverfahren, wer mondtauglich sei. „Keinen von sitzender Lebensart – keinen wohlbeleibten – keinen Wolllüstigen nehmen wir mit, sondern, wir nehmen solche, die ihr Leben im eifrigen Gebrauch der Jagdpferde verbringen, oder die häufig zu Schiff Indien besuchen und gewohnt sind, ihren Unterhalt mit Zwieback, Knoblauch, gedörrten Fischen und anderen von Schlemmern verabscheuten Speisen, zu fristen“…
Wie wichtig diese Tauglichkeitsprüfung ist, wird klar, wenn man sich den Start näher betrachtet.
Die Beschleunigung sei laut Keplers Schrift damit vergleichbar, als würde man mit Pulver über alle Lande hinweg gesprengt.
Aus diesem Grunde, müssten alle Mondfahrer vor dieser Tortur mit Opiaten betäubt werden.
Während des Aufstieges müsste man sich an eine unbeschreibliche Kälte gewöhnen, und hätte mit Atemnot zu kämpfen. Später wird die Reise unbeschwerlicher, da die Schwerkraft der Erde ab- und die des Mondes zu nimmt.
Diese Anschauung ist doch schon sehr modern. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Newtonsche Mechanik mit der dazugehörigen mathematischen Beschreibung der Schwerkraft noch nicht bekannt waren.
Problematisch könnte die Landung werden. Hier eilen Laut Kepler schützend Dämonen voraus, um eine weiche Landung zu ermöglichen. In Keplers Text heißt der Mond plötzlich Levania und die Erde nennt er Volva.
Als Astronom stellt Kepler gleich nach der Ankunft klar, dass der Fixsternhimmel auf Levania dem der Erde sehr ähnlich ist. Es gäbe jedoch gravierende Unterschiede. So geht auf dem Mond die Sonne nur zwölf Mal pro Jahr auf und wieder unter. Somit gingen die Uhren dort sehr viel langsamer.
Tag und Nacht wären gemeinsam einen synodischen Monat lang.
In dieser langen Nacht versinkt der Mond in Kältestarre und seine Bewohner hätten mit wütenden Winden zu kämpfen. Während des darauffolgenden nicht minder langen Tages glüht eine unbarmherzige Sonne nieder und lässt alle Kreatur schmachten. Kepplers Höhepunkt seines Traumes ist der Blick zurück.  Er beschreibt, wie man die Erde riesig vom Mond aus sehen können sollte. Heute wissen wir es von den Apollo-Raumfahrern, die um den Mond kreisen mussten, genauer. Viele Aufgänge und Untergänge der Erde am Horizont des Mondes wurden beschrieben und es gibt atemberaubend schöne Fotos davon. Sie zeigen, wie fragil unser Raumschiff Erde, die Blase, in der wir leben, ist. Gerade Gestern hat @Dlr_next die Kinderfrage vertwittert, was ein Astronaut auf dem Mond wohl sähe, wenn wir Vollmond haben. Na, findet ihr es heraus? Genau, der Astronaut hätte gerade Mittag. Die Sonne stünde für ihn hell am Zenit. Ich bin mir da jetzt nicht ganz sicher, aber ich denke, er würde die Erde vor lauter Sonnenlicht nicht sehen, ähnlich, wie wir den Mond bei Neumond aus dem selben Grund nicht sehen können.
Kepler weiß, dass Erde und Mond ein einfach gekoppeltes System sind. Das weiß er deshalb, weil er erkennt, dass der Mond uns stets dieselbe Seite zeigt. Will sagen, dass wir immer die gleiche Landschaft betrachten und diese sich nicht verschiebt, wie sie es täte, wenn der Mond sich irgendwie anders um sich selbst drehte. Deshalb sieht man den Globus ganz unterschiedlich, je nach dem, wo man sich auf dem Mondball befindet. Diejenigen, die sich auf der sog. „Dark Side“ aufhalten, sehen die Erde niemals.

Für Erdbetrachter auf dem Mond hat die Erde natürlich auch dem Mond ähnliche Phasen, die Mondbetrachter von der Erde aus sehen.

Für Mondbewohner geht die Erde innerhalb eines Monats auf, und wieder unter.

 

Ein weiterer interessanter Effekt, den Kepler nennt, ist die Tatsache, dass sich die Erde einmal Täglich unter dem Mond weg dreht. Dies sieht man an Strukturen des Erdballs die von Ost nach West vorüber ziehen. Das sollte für Mondbewohner besonders schön bei einer totalen Mondfinsternis betrachten lassen. Nächtlich erhellte Städte ziehen langsam vorüber.

Mit einigen geographischen Kenntnissen sollten die Mond-Bewohner ihre Uhren an vorüberziehenden markanten Punkten mit der Erdenzeit synchronisieren können.

Für die Vorstellung, wie man die Erde sieht, nutzt Kepler das geographische Wissen seiner Zeit.
Er teilt den Erdball in zwei Hemisphären ein, aber nicht in eine Nord- und eine Südhalbkugel, sondern in eine West- und Osthalbkugel, wobei Europa, Afrika  und Asien, die alte Welt, auf der Osthälfte und Nord- und Südamerika auf der Westkugel zu finden sind. Dazwischen ist ein großer Ozean.

In der „alten Welt“ erkennt er einen menschlichen Kopf, Afrika, dem sich ein Mädchen in langem Gewande zum Kusse hinneigt. Europa mit Spanien stellen den Frauenkopf dar und Asien ihr Gewand Ihr nach hinten ausgestreckter Arm, der laut Kepler eine Katze anlockt, der Arm als Großbritannien und die Katze als Skandinavien, verfeinern und ergänzen sein Bild. Südamerika vergleicht er mit einer Glocke und dem südlichen Zipfel als Klöppel. Über einen schmalen Strick, ist sie an Nordamerika angehängt.
Als Kepler seinen Traum schreibt, ist die Entdeckung der Welt durch die Seefahrt in vollem Gange. Von Berichten von Weltumsegelungen lässt Kepler sich anstecken und inspirieren. Außerdem verfestigt sich dadurch seine Gewissheit, das kopernikanische Weltbild sei richtig.

Vom Mond aus, kann Kepler seine neue Astronomie aus anderer Perspektive betrachten. Der Globus lässt sich als ganzes begreifen und das kopernikanische Weltgebäude wird offenbar.
Spektakel der besonderen Art sollten Finsternisse sein, die sich vom Mond aus ganz anders präsentieren sollten. Auch diese zieht Kepler in Betracht. Er dreht den Globus, verändert die Positionen von Erde, Sonne und Mond und erschaft sich so einen theoretischen neuen Beobachtungsplatz.

Neu an Keplers Traum ist, die Veränderung der Sichtweise und des Standpunktes. Eine neue hinterfragende, sich selbst misstrauende Denkweise probiert Kepler hier aus. Der Wechsel des Bezugssystems und die Gewinnung von Abstand und einer dadurch veränderten wissenschaftlichen Sicht, öffnen Türen, neues zu wagen und das geozentrische Weltbild zu hinterfragen.

Relativ am Ende seines Traumes, geht Kepler auf den Mond an sich ein. Es gibt Berge und Täler, Winde und Meere und auch Leben.
Er geht auf die Tatsache ein, dass durch die verminderte Schwerkraft die Lebewesen deutlich größer würden mit langen Elefantenbeinen und riesigen Körpern, wobei die Schlangenform vorherrsche. ja, das hat schon viel mit Schwerkraft zu tun, wie groß sich Körper entwickeln können. Wale verenden am Strand, weil ihr Skelett ihr Gewicht unter der Schwerkraft auf dem Land nicht tragen kann. Im Wasser sind sie durch die Auftriebskraft deutlich leichter.

Spoc aus Enterprise hat so große Ohren, weil auf Vulkan, seinem Heimatplaneten, die Luft dünner ist. Dadurch werden alle Geräusche leiser. Das hat dort die Evolution mit größeren Ohren kompensiert.

Nach diesen Überlegungen bricht sein Traum plötzlich ab. Er beendet ihn mit einem starken Regen, der ihn erwachen ließ.

 

Dennoch. Ich finde diesen Traum äußerst spannend. Vor allem, wie sich nüchterne Naturwissenschaft mit der Anwesenheit von Dämonen widerspruchslos fügt, finde ich höchst beeindruckend.

Das findet man allerdings bis heute noch. Ich kenne promovierte Physiker, die in ihrer funtamentalistischen Freikirche leben, dass die Erde in sieben Tagen erschaffen wurde, dass Eva ein Rippchen Adams sei und vielen anderen Unsinn mehr.
Danach gehen sie wieder an ihren Arbeitsplatz und zählen vielleicht Neutrinos…

Ich freue mich, wenn Keplers Traum vom Mond auch euch etwas ergreift.

Es grüßt euch bis zum nächsten mal

Euer Gerhard.

 

So interessant ist unser Pluto, auch als Zwergplanet

Meine lieben Leserinnen und Leser,

 

und hier kommt er, der angekündigte Artikel über unseren super interessanten Pluto.

 

 

Das Pluto nun seit Juli 2006 der Planetenstatus aberkannt wurde, soll uns nicht stören, wie es auch die Forscher nicht zu stören scheint. Wie das Preisschild letztlich auch die Kunst nicht macht, so fasziniert uns dieser Himmelskörper mit seinen fünf Monden nicht minder, wenn er auch nur noch ein Zwergplanet ist.
Noch nie erhielten wir so detaillierte und hoch aufgelöste Bilder von ihm, wie die Sonde New Horizons uns lieferte.
So weit draußen sollte er uns einige unserer brennenden Fragen beantworten, die mit der Entstehung unseres Sonnensystems zusammen hängen.
Hier nun einige von mir gesammelten Daten und Fakten über ihn.

Namensgebung:
Die Planeten haben Namen aus der römischen Götterwelt. Zum Teil haben ihre Entdecker sie benannt. Dabei hat man sich immer Götternamen ausgesucht, die etwas mit dem Aussehen, der Lage zur Sonne und den Merkmalen des Planeten zu tun haben.

In der römischen Mythologie ist Pluto der Gott der Unterwelt. Der Planet erhielt seinen Namen wahrscheinlich, weil er so weit von der Sonne entfernt ist, dass er nie ins Licht gelangt und ständig in der Dunkelheit liegt. Außerdem sind PL die Initialen von Percival Lowell, der 1894 das Lowell Observatory in Arizona gründete. Seine Bemühungen galten der Erforschung des Mars. Seit 2006 zählt Pluto allerdings nicht mehr zu den Planeten, sondern gilt als Zwergplanet.
Entdeckung
Pluto wurde erst 1930 entdeckt. Er hat etwa die Größe Merkurs und
besitzt fünf Monde.

Neptun und Pluto wurden nicht mit optischen Instrumenten entdeckt. Sie verrieten sich durch ihre Schwerkraft, wodurch sie die Bahnen der anderen Planeten störten.

Aufbau:
Über Plutos Beschaffenheit ist noch wenig bekannt. Mit einem Durchmesser von lediglich 2370 km ist er deutlich kleiner als die sieben größten Monde im Sonnensystem. Seine mittlere Dichte von 1,869 g/cm³ spricht für eine Zusammensetzung aus zirka 65 % Gestein und 35 % Wassereis.
Temperatur
Im Juli 2005 konnte erstmals die thermische Emission von Pluto und seinem großen und nahen Mond getrennt gemessen werden. Dabei hat sich gezeigt, dass die Oberfläche von Pluto mit −230 °C um 10 °C kälter ist, als es einem reinen Strahlungsgleichgewicht entsprechen würde. Der Grund dafür ist die Ausbildung der Atmosphäre, durch deren Sublimation Verdunstungskälte entsteht.

Wir kennen dieses Phänomen vom Alltag her. Wenn wir leichtflüchtige Substanzen, wie Alkohol, auf unsere Haut aufbringen, verdunstet er rasch, nimmt Wärme mit und das empfinden wir als Kühlung.

Oberfläche
Durch New Horizons wurde eine näherungsweise herzförmige, auffällig helle, homogen erscheinende Region sichtbar. Sie liegt zum flächenmäßig größeren Anteil nördlich des Plutoäquators und hat bis auf weiteres nach dem Entdecker des Plutos, Clyde Tombaugh, den Namen Tombaugh Region erhalten. Innerhalb der Tombaugh Region befindet sich wiederum ein Sputnik-Ebene getaufter Bereich. Man geht davon aus, dass diese kraterlose Ebene weniger als 100 Millionen Jahre alt und möglicherweise noch in einem Zustand aktiver geologischer Formung begriffen ist. Sichtbare Schlieren in diesem Bereich könnten durch Winde verursacht sein.

Wassereis ist bei einer Temperatur von -230 Grad hart wie Granit.
Stickstoff hingegen ist noch zähflüssig oder schneeartig.

Geologie:
Auf Pluto gibt es keinen Vulkanismus und auch keine Plattentektonik.
Zumindest vom größten Mond Charon her dürften auch keine Gezeitenkräfte mehr auftreten, da dieses system doppelt gekoppelt in einem Gleichgewichtszustand ist. Die anderen vier Monde hingegen wirken noch auf Jupiter.
Grundsätzlich gibt es auf Jupiter wegen seiner Atmosphäre ein Wetter. Geologische Veränderungen durch fließende Substanzen, wie Wasser auf der Erde oder Methan auf dem Saturnmond Titan, sind durchaus denkbar.

Atmosphäre
Plutos sehr dünne Atmosphäre besteht zum größten Teil aus Stickstoff, zum zweitgrößten Teil aus etwas Kohlenmonoxid und zirka 0,5 % Methan.Nach Messungen am James Clerk Maxwell Telescope ist die Atmosphäre im Jahr 2011 3000 km hoch und das in ihr enthaltene Kohlenstoffmonoxid −220 °C kalt. Zuvor nahm man an, die Atmosphäre sei 100 km hoch. Ihr Druck an Plutos Oberfläche beträgt laut der US-Weltraumbehörde NASA etwa 0,3 Pascal und laut der Europäischen Südsternwarte (ESO) um 1,5 Pascal.
New Horizons entdeckte in der Plutoatmosphäre Aerosole bis in 130 km Höhe. Diese konzentrieren sich hauptsächlich auf zwei Nebelschichten, die erste etwa 50 km über Boden und die zweite in ca. 80 km Höhe.

Leben
bei -230 Grad ist definitiv kein Leben möglich.
Durch den Sonnenwind können mit dem Stickstoff der Atmosphäre einfachere chemische Verbindungen entstehen. Leben wird daraus allerdings nie werden.

Magnetfeld
Pluto besitzt kein Magnetfeld.
Deshalb ist seine Atmosphäre ungeschützt den geladenen Teilchen des Sonnenwindes ausgesetzt und wird fortgetragen.
Aus diesem Grund geht dem Mars seine Atmosphäre langsam verloren.

Monde
Von Pluto sind fünf Monde bekannt. Ihre Umlaufbahnen sind annähernd kreisförmig und zueinander komplanar. Sie liegen in Plutos Äquatorebene, aber nicht in seiner Bahnebene. Mit New Horizons wurde – aus Sicherheitsgründen – vor dem Vorbeiflug nochmals intensiv nach Monden und Staubringen gesucht; es konnten keine weiteren Plutomonde entdeckt werden.

Bei unserem Trabanten ist es genau umgekehrt. Die Mondbahn liegt nahezu in der Ekliptik, nicht aber in der Äquatorebene.

Ihre Namen sind
Charon, Nix, Hydra, Kerberos und Styx.
Ich möchte euch hier nicht mit Daten zu den Umlaufbahnen langweilen. Das merkt man sich eh nicht.
Interessant ist aber doch, dass ein Zwergplanet, kleiner als unser Mond, fünf Monde haben kann.

Laut einem etwas älteren Astronomiebuch aus meiner Sammlung, hat Pluto nur einen Mond und die Atmosphäre besteht aus Methan und ettliche andere Details unterscheiden sich völlig, bzw. werden vermutet.
Es ist einfach so, dass wenn man, was auch immer, genau wissen möchte, dann muss man sich irgendwann auf den Weg machen und hin gehen.

Bahn des Pluto
Pluto benötigt für eine Sonnenumrundung 247,68 Jahre. Im Vergleich zu den Planeten ist die Umlaufbahn Plutos deutlich exzentrischer, mit einer numerischen Exzentrizität von 0,2488. Das heißt, der Abstand zur Sonne ist bis zu 24,88 % kleiner oder größer als die große Halbachse.

Der sonnenfernste Punkt der Plutobahn, das Aphel, liegt bei 49,305 AE, während der sonnennächste Punkt, das Perihel, mit 29,658 AE näher an der Sonne liegt als die sehr wenig exzentrische Bahn Neptuns. Zum letzten Mal durchlief Pluto diesen Bereich, in dem er der Sonne näher ist als die Neptunbahn, vom 7. Februar 1979 bis zum 11. Februar 1999. Das Perihel passierte Pluto 1989. Sein Aphel wird er im Jahr 2113 erreichen. Dort beträgt die Sonnenstrahlung nur etwa 0,563 W/m². Auf der Erde ist sie 2430-mal so hoch. Für einen Beobachter auf Pluto wäre der scheinbare Durchmesser der Sonne nur etwa 1/50 des scheinbaren Sonnendurchmessers, den wir auf der Erde gewohnt sind. Die Sonne sähe für diesen Beobachter wie ein extrem heller Stern aus, der Pluto 164-mal so hell wie der Vollmond die Erde beleuchtet.

Seine Bahn ist um 17 Grad gegen die Ekliptik geneigt.
Wir sprachen im Zusammenhang mit Finsternissen darüber, dass die Bahn des Mondes auch gegen die Ekliptik geneigt ist.
(Stichwort Knotenpunkte und Trakonistischer Monat)

Auffällig ist, dass Pluto in der Zeit, in der sich Neptun dreimal um die Sonne bewegt, genau zweimal um die Sonne läuft. Man spricht daher von einer 3:2-Bahnresonanz.
In der Musik nennt man das eine Synkope.
Schön, nicht wahr?

Rotation
Pluto rotiert in 6,387 Tagen einmal um die eigene Achse. Die Äquatorebene ist um 122,53° gegen die Bahnebene geneigt, somit rotiert Pluto rückläufig. Seine Drehachse ist damit noch stärker geneigt als die des Uranus, aber im Unterschied zum Uranus und zur Venus ist der Grund dafür allgemein ersichtlich, ebenso die Ursache für Plutos ziemlich große Rotationsperiode, denn die Eigendrehung des Zwergplaneten ist durch die Gezeitenkräfte an die Umlaufbewegung seines sehr großen Mondes Charon gebunden. Damit sind Pluto und Charon die einzigen bisher bekannten Körper im Sonnensystem mit einer doppelt gebundenen Rotation.

Erde und Mond sind einfach gekoppelt. Das bedeutet, dass der Mond uns stets die gleiche Seite zuwendet. Er dreht sich innerhalb eines Monats einmal um sich selbst, wobei die Erde sich unter ihm durchdreht, so dass der Mond aus unserer Sicht auf- und untergeht.
Pluto und Charon sind doppelt gekoppelt. Das bedeutet, dass Charon ihm immer dieselbe Seite zuwendet und gleichzeitig, dass Charon sich mit der selben Geschwindigkeit um Pluto bewegt, wie dieser sich dreht.
Charon und Pluto sind so miteinander gekoppelt, als wären beide fest mit einer Stange verbunden.
Dem Erde-Mond-System wird dieses Schicksal auch einst beschieden sein, denn Ebbe und Flut bremsen das System mit der Zeit ab. Ist dieses Gleichgewicht erreicht, wird der Erdentag deutlich länger sein, der Abstand zum Mond auch, der Mond wird sich in der Äquatorebene der Erde befinden und der Mond wird lediglich noch von einer Stelle der Erde aus zu sehen sein. Ebbe und Flut gibt es dann nicht mehr, und auch keine Mondphasen.

Diese Mail soll aber nicht mit einem Horrorszenario enden. Bis dieses eintritt vergeht noch seeeeeehr viel Zeit.

Liebe Grüße

Gerhard.

Inklusion Hautnah erleben

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Heute geht es mal um Inklusion. Wer mich kennt weiß, dass ich die Astronomie für eine der inklusivsten Wissenschaften halte, die es gibt.

Aber heute geht es nicht um Astronomie, sondern um ein Sportereignis, an dem ich teilnehmen durfte.

Am 23.09.2018. fand im Rahmen des Baden-Marathons der bereits dritte Inklusionslauf statt, an dem diesmal auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Institut für Sport und Sportwissenschaften (IfSS und das Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) mit mehreren Teams vertreten waren.
„Ein Zeichen für Menschlichkeit, Frieden und Gemeinsam Verschieden sein, setzen.

Das Ziel ist der Weg.

So, oder unter ein ähnliches Motto, könnte man den Inklusionslauf stellen, der am 23.09.2018 im Rahmen des Baden-Marathon in karlsruhe stattfand.

https://www.badenmarathon.de/wettbewerbe/inklusionslauf.html

So trafen sich zahlreiche Einrichtungen für Menschen mit Einschränkungen, wie z. B. die Lebenshilfe, die Reha-Südwest und die Caritas um diesen sechs Kilometer langen Lauf nicht gegeneinander, sondern Miteinander und füreinander zu bewältigen.
Ob im Rollstuhl, im Liegerad, mit Prothesen, stöcken oder anderer Einschränkung, war der Weg das Ziel.

 

Das KIT beschäftigt sich schon länger auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Thema Inklusion, z. B. im Rahmen seines Gesundheitsprogramms

https://www.sport.kit.edu/hochschulsport/inklusivmobil.php

und dem Seminarangebot für Studierende der Sportwissenschaften „Kleine Spiele“, das Studierende für inklusive Sportangebote und gemeinsame Teilhabe, sensibilisiert.

Siehe hierzu: https://blindnerd.wordpress.com/2018/06/06/astrosport/

 

Vor diesem Hintergrund wagten sich auch drei Teams des KIT an den Start.

Ein Team bildete eine Informatikstudentin mit Rollstuhl zusammen mit einer Hiwine des Sportinstitutes.

Das zweite bestand aus einem blinden wissenschaftlichen Mitarbeiter des Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS), dem Autor dieses Artikels,  und seiner sehenden Kollegin als Begleitung.

http://szs.kit.edu

Ein Mitarbeiter des Sportinstitutes begleitete seinen Vater, der den Lauf mit seiner schlaganfallbedingten Einschränkung im Liegefahrrad bestritt.

Als wir gemeinsam am Startplatz eintrafen, schlug uns sofort eine unglaubliche Stimmung und Fröhlichkeit entgegen.

Einige der Teams wurden über Lautsprecher vorgestellt. Da wurde sofort klar, wieviel Diversität unsere Gesellschaft zu bieten hat. Ich bin immer wieder erstaunt ob der Anzahl an Organisationen und Einrichtungen, die es alleine nur in Karlsruhe für Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen  gibt.

Aber nicht nur Menschen mit Einschränkungen waren zu sehen. Sowohl beim Marathon, als auch beim Inklusionslauf konnte man andere Sprachen hören und Menschen mit anderer Hautfarbe wahrnehmen. Gerade für Migranten und Flüchtlinge sind solche Veranstaltungen eine ideale Chance der Inklusion, weil derlei Sprachbarrieren und soziale und ethnische Benachteiligungen überwinden helfen.

Endlich fiel der Startschuss und es ging los.

Unser Team mit dem Rollstuhl war bald in der Ferne verschwunden. Wir, das SZS-Team hatten uns als Ziel gesetzt, unter eine Stunde zu kommen.

Die Stimmung auf der ganzen Strecke war großartig. Immer wieder gab es Schausteller und Gruppen, die mit Trommeln, Musik und Applaus einen  wieder anfeuerten, oder mit frischen Getränken willkommene Stärkungen darreichten.

Der Sports- und Kampfgeist wehte überall.

Für viele Teilnehmende mit vor allem geistigen Beeinträchtigungen ist so ein Lauf oft eine von sehr wenigen Gelegenheiten des Jahres, mal aus der Tristesse des Alltages zwischen Wohnheim und beschützender Werkstatt, auszubrechen, sich und ihren Körper anders zu erleben und das Gefühl eines Erfolges zu verspüren.

Da wird ungefiltert vor Freude gelacht, gejauchzt, geschrien und umarmt. Da werden im Überschwang von Freudenausbrüchen Sprints hingelegt, welche die Begleitpersonen ohne Einschränkung verzweifelt mit flehendem Blick zurücklassen, er oder sie möge bald vor Erschöpfung wieder langsamer werden.

 

Nicht sichtbar sind im Alltag die sehr zahlreichen „unsichtbaren“ Beeinträchtigungen, die Betroffene nicht minder einschränken können. So sind beispielsweise psychische Beeinträchtigungen oft nicht wahrnehmbar,  und ermangeln häufig gesellschaftlicher Toleranz und Akzeptanz. Auch diesen Grupierungen bietet so ein Lauf die Chance für den Schritt in die Öffentlichkeit.
Meine Kollegin und ich waren durch ein etwa 20 cm langes Seil verbunden, das an den Enden Holzgriffe hatte, von denen jeder von uns einen in der Hand hielt.

Das ermöglicht zum einen Armfreiheit für beide Läufer und zum anderen kann die sehende Begleitperson durch Zug am Seil Richtungsinformationen geben.

Wir hielten unser recht strammes Tempo durch und sparten Kraft, indem wir nur dort kleinere Sprints hinlegten, wo man befürchten musste, fotografiert oder gefilmt zu werden, oder, wo besonders häftig applaudiert wurde, und die Stimmung super war.

Und so kamen wir dann mit erreichtem Vorsatz, unter einer Stunde im Ziel an.
Der folgende Link zeigt, u. A., wie meine Kollegin und ich über die Ziellinie joggen.

https://www.badenmarathon.de/subseiten/video.html?irwchannel=684&irwtoken=a6685bb79d533239324fe2f582508a09

Dort erfuhren wir, dass das Rollstuhl-Team des KIT Platz eins gewonnen hatte. Die Fuhren eine Zeit von 30 Minuten ein. Sechs Kilometer per Hand in 30 Minuten. Das ist unglaublich!

So dachten wir, aber die Auswertung ergab, dass es ein Team von Diabetikern in ungefähr 27 Minuten geschafft hatte.

Da es keine Sieger gab, schmälert das eine Ergebnis keinesfalls die Leistung des anderen Teams.

Das Ziel war das Ziel.

 

Und da stießen wir auch wieder auf unser drittes Team mit dem Liegerad. Mit halbseitiger Lähmung und Aphasie durch einen Schlaganfall erreichte dieses Team fünf Minuten vor uns die Ziellinie.

Die Freude dieses Mannes, das Ziel erreicht zu haben, war so unglaublich groß, dass sie auch ohne gesprochene Worte und trotz fehlenden Blickkontakts auf mich übersprang und mich sehr stark berührte. Der Händedruck war es, der alle Emotionen und die Freude übertrug.
Fazit:

Es hat sich sehr gelohnt, bei diesem Inklusionslauf mitzumachen. Derlei Veranstaltungen sollte es öfter geben, damit vor allem diejenigen Mitmenschen, die wegen einer sozialen, gesellschaftlichen, körperlichen oder seelischen Einschränkung in Werkstätten, Kliniken, Wohnheimen oder sonst wo versteckt leben müssen, stärker ins Bewusstsein rücken. Es geht hier weniger um diejenigen Menschen mit Einschränkung, die heldenhaftes leisten, sondern um die Antihelden in dieser Gesellschaft, die hier durch so einen Lauf Gemeinsamkeit, Wertschätzung und Zugehörigkeit erleben können.

Außerdem setzt so eine Veranstaltung Zeichen gegen Faschismus, Ausländerhass etc.

Wir sind mehr und wir wollen Inklusion, Diversität und sehen Andersartikeit ob in Kultur, Gesellschaft Arbeitswelt und wo sonst auch noch, als Bereicherung.
Das SZS-Team ist im nächsten Jahr wieder dabei.“

 

Alles gute bis zum nächsten Mal wünscht euch

ihr und euer Gerhard Jaworek.

 

Die Internationale Astronomische Union und der Planet, der keiner mehr sein darf

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Anknüpfend an meinen voran gegangenen  Artikel zur Einladung  auf dem Kongress der Internationalen Astronomischen Union in Wien befassen wir uns heute etwas näher damit, was die Internationale Astronomische Union (IAU) ist, und welch gewichtige Entscheidungen sie treffen kann.

Die Internationale Astronomische Union (IAU) ist eine von vielen Welt weiten wissenschaftlichen Vereinigungen. Die große Wissenschaft spielt sich heutzutage international ab. So sind beispielsweise an der ISS weit mehr als 100 Länder beteiligt. Ebenso verhält es sich mit dem gigantischen LHC in Cern.

Das legt nahe, dass viele wissenschaftliche Disziplinen sich international vernetzen, um derlei Großprojekte überhaupt stemmen zu können.

Die Internationale Astronomische Union (IAU; französisch Union astronomique internationale, UAI) ist eine 1919 in Brüssel gegründete weltweite Vereinigung von Astronomen mit Sitz in Paris. Ihr Ziel ist die Förderung der Astronomie und ihrer Forschung durch internationale Zusammenarbeit. Sie ist neben anderen ähnlichen Organisationen für andere Wissenschaftszweige ein Mitglied des Internationalen Wissenschaftsrats, der seinen Sitz ebenfalls in Paris hat. Mit dem Stand von November 2008 hat die IAU 9623 Einzelmitglieder aus weltweit 86 Ländern sowie 65 nationale Mitglieder, das heißt, astronomische Gesellschaften und Akademien.

Quelle war hier Wikipedia.

Früher, vor der Globalisierung und wo die Welt noch nicht so „klein“ war, wie heute, schlossen sich Wissenschaftler eher zu nationalen Vereinigungen zusammen. Ein Beispiel hierfür ist die Royal Society in Großbritannien, die mit ihrer Gründung im Jahr 1660 zu den ältesten wissenschaftlichen Vereinigungen der Welt gehört.

Deutschland hat mit der Astronomischen Gesellschaft, die meine Arbeit derart schätzte, dass sie mich 2013 als Mitglied aufnahm, auch eine der ältesten astronomischen Vereinigungen.

Die Astronomische Gesellschaft (AG) ist der Fachverband der deutschen Astronomie/Astrophysik. Sie wirkt als Förderer von Wissenschaft und Forschung, stärkt den Austausch ihrer Mitglieder untereinander und befördert die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse in öfffentlichkeit und im Bildungswesen.

Sie wurde bereits 1861 in das Vereinsregister eingetragen und hat ihren Sitz in Hamburg.

Schon damals suchte man stets nach Planeten. Nicht unbedingt nach extra terestrischen, dafür hätten die damaligen Messinstrumente niemals gereicht, sondern in unserem Sonnensystem.

Um möglichst viele Astronomen zu dieser Suche zu vereinen, gründete man um 1800 eine internationale Vereinigung, weil man einen Planeten zwischen Mars und Jupiter vermutete.

Dieser vermeindliche „Planet“ ist der Asteroid Ceres. Es ist absolut natürlich, dass man in der großen Lücke zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter noch einen Planeten wähnte. OK, es gibt keinen, aber diese Lücke ist durchaus nicht leer, denn sie beinhaltet den Asteroidengürtel.

Ein weiteres Großprojekt zu dieser Zeit war die Kartographie des Himmels. Hierfür hatte die Pariser Sternwarte 1887 das „Carte du Ciel-Projekt“ ins Leben gerufen.

Ende des 19. Jahrhunderts organisierte der Amerikanische Sonnenforscher George Ellery Hale eine Konferenz, auf der die Idee entstand, etwas internationales zu gründen.

Interessant an dieser ersten internationalen Organisation war, dass es ihnen ein Anliegen war, dass Wissenschaftler so nützlich wie möglich im Krieg eingesetzt werden konnten.

So wurden astronomieerfahrene Soldaten dazu angehalten, nachts, wenn nicht gekämpft wurde, Himmelsbeobachtungen durchzuführen. Das mag vielleicht etwas makaber klingen, aber andererseits dürfte es für viele begabte Wissenschaftler auch eine wichtige Ablenkung ihres grausamen Tagesgeschäftes gewesen sein.

Wie auch immer.

Hier wird offenbar, wie wichtig internationale Kooperationen gerade in der Astronomie sind. Der Himmel ist viel zu groß, um alleine erforscht zu werden. Schon alleine deshalb nicht, weil man nicht gleichzeitig als einzelner jeden Punkt des Himmels beobachten kann.

Nun entwickelten sich über mehrere Stufen und zwischen den Weltkriegen hindurch diverse wissenschaftliche Vereinigungen. Als Gründungsdatum der IAU wird der 28.07.1919 angegeben. Wegen des ersten Weltkrieges konnten Deutschland und Österreich zunächst nicht beitreten. Deutschland weigerte sich sogar, weil es sich hier nicht unterordnen wollte. Dies wurde aber etwas „aufgeweicht“, indem die Organisatoren 1928 einzelne Deutsche Astronomen zum Kongress nach Leiden einluden.

Danach folgte erst einmal der zweite Weltkrieg. Deutschland wurde schließlich 1951 Mitglied der IAU und Österreich folgte 1955.

Schön ausführlich ist die Entstehung der IAU in einer der letzten Folgen der Sternengeschichten von Florian Freistetter erklärt.

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2018/08/31/sternengeschichten-folge-301-die-internationale-astronomische-union/

Lasst mich jetzt an einem der prominentesten Beispiele erläutern, welch weitreichende Entscheidungen die IAU treffen kann.

Ins Gerede ist die IAU im August 2006 gekommen, als sie auf ihrem Kongress in Prag den Entschluss fasste, dass Pluto künftig kein Planet mehr sein darf, sondern nur noch ein Zwergplanet ist.

Ach, wie mühsam haben wir noch in der Schule die Namen der neun Planeten uns eingepaukt. Eine große Hilfe hierbei war der Satz:

„Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten“.

Die Anfangsbuchstaben der Planetnamen entsprechen denen, der Wörter dieses Satzes:

„Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto“.

Und Pluto darf jetzt nicht mehr mitmachen? Dann wissen wir ja gar nicht mehr, was für neun Objekte unser Vater all sonntäglich erklärt.

Naja, jetzt musste man den Satz auf die verbleibenden acht Planeten reduzieren.

Er heißt nun:

„Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“

Auch schön, denn dort gibt es noch deutlich mehr erklärenswertes, als nur unsere acht Planeten, von denen höchstens sechse, einschließlich der Erde  mit bloßem Auge zu sehen sind.

Eine berechtigte Frage in diesem Zusammenhang ist die, wie so denn plötzlich Zweifel hochkochen, was denn nun ein Planet sein soll, und was nicht.

Das hat sich doch schon seit den alten Griechen und noch davor nicht mehr geändert. Es kam halt lediglich immer mal wieder ein neuer Planet hinzu. Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sind mit bloßem Auge sichtbar. Zu alter Zeit sowieso, als es noch keine Lichtverschmutzung gab. Für die Entdeckung des Uranus, der am 13. März 1781 von William Herschel und vermutlich mit Unterstützung seiner Schwester Lucrezia, entdeckt worden war, brauchte man schon ein starkes Spiegelteleskop. Sterne sind so weit weg, dass sie selbst im Teleskop zwar heller, aber letztlich doch nur als nadelstichartige Punkte zu sehen sind. Ein Planet hingegen präsentiert sich als Scheibchen, das über einige Beobachtungsnächte hinweg, seine Position am Sternenhimmel verändert. Außerdem bildet das Scheibchen keinen Schweif aus, so dass mit der Zeit ein Komet ausgeschlossen werden kann. Durch die Veränderung der Position stellte Herschel sehr bald fest, dass es sich hier um einen bis dato unsichtbaren Planeten handeln muss, der unsere Sonne umkreist.

Die beiden letzten Planeten, Neptun und damals noch Pluto, wurden nicht durch Sicht entdeckt. Sie verrieten sich, indem sie durch ihre Schwerkraft die anderen sichtbaren Planeten in ihren Bahnen leicht störten.

Heutzutage sind die Teleskope natürlich so stark, dass man auch diese beiden letzten  bei guten Bedingungen als Scheibchen wahrnehmen kann. Heutige Teleskope lösen sogar ferne Galaxien, Nebel und Sternhaufen in ihre einzelnen Sterne auf, und es gibt weitere Verfahren, mehr über ihre Beschaffenheit und Oberflächen zu erfahren.

Trotzdem. Wieso plötzlich diese Aufregung um den Planetenstatus des Pluto?

Außer Kometen, die plötzlich mit ihren prächtigen Schweifen scheinbar aus dem Nichts auftauchten, nahezu geradlinig durch die Sternbilder zogen und wieder verschwanden, gab es nichts weiter außer den Planeten mit ihren Monden in unserem Sonnensystem. Das änderte sich jedoch mit der Entwicklung immer stärkerer Messinstrumente. Da waren plötzlich unzählige Asteroiden zwischen Mars und Jupiter zu sehen. Diese bilden den Asteroidengürtel und stellen quasi die Schneegrenze in unserem Sonnensystem dar, weil es jenseits von ihnen eisige Planeten gibt, wobei weiter innen die Steinplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars ihre Bahnen um die Sonne ziehen. Und damit nicht genug. Es wurde auch ein weiterer Asteroidengürtel jenseits des Neptun entdeckt, der Kuiper-Gürtel, benannt nach dem Astronomen Gerard Peter Kuiper (1905–1973). Bei so vielen neu gefundenen Objekten, musste man sich ernsthaft überlegen, was denn nun ein Planet, was ein Zwergplanet und was schließlich nur einer unter vielen Asteroiden sein soll.

Auslöser für diese Diskussion war die Tatsache, dass man zunehmend Himmelskörper im oder am Rand unseres Sonnensystems fand, die Pluto durchaus ebenbürdig in Form und Größe sind. Da gibt es beispielsweise das Kuiper-Objekt Xena, das größer als Pluto ist.

Außerdem war Pluto sowieso etwas seltsam.

Da haben wir von innen nach außen vier Steinplaneten, Merkur, Venus, Erde und Mars. Dann kommen die vier Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Und jetzt kommt noch so ein Winzling, kleiner als unser Mond, bestehend aus Eis und Stein, der sich zudem noch auf einer sehr exzentrischen Bahn bewegt, dessen Bahn zudem noch gegen die Ekliptik ziemlich gekippt ist und der quasi auf seiner Bahn entlang rollt, weil seine Achse derart gegen  seine Umlaufbahn geneigt ist.

Und so traf sich 2006 im August die IAU zu ihrem Kongress in Prag, um diese Frage ein für allemal zu klären.

Zunächst einmal wurde von einer ausgewählten Expertenrunde ein erster Entwurf zur Abstimmung vorgelegt. Doch der wurde sehr kritisiert.
Nach diesem Entwurf sind Planeten Himmelskörper, die folgendes erfüllen müssen:
1. so viel Masse haben, dass sie durch Eigengravitation in eine runde Form gezwungen wurden. Was leichter ist, hat eher eine Kartoffelform und ist auf jeden Fall nicht rund.

2. einen Stern umkreisen, ohne selbst Sterne oder Monde, also Trabanten anderer Planeten zu sein. Ohne Monde haben wir Merkur und Venus. Auf diese beiden trifft aber Teil eins der Definition zu. Sie sind schwer genug, um Rund zu sein.

Nach dieser Definition hätte Pluto seinen Status als Planet behalten, es wären aber noch zahlreiche andere Himmelskörper in Frage gekommen, zum Beispiel Ceres und Xena.  Es wäre äußerst unpraktisch, müssten wir vielleicht gar dutzende oder mehr Planetennamen auswendig lernen. Wie lang wäre dann die Eselsbrücke, der Merksatz?

Innerhalb der vollwertigen Planeten sollte in zwei Gruppen aufgeteilt werden: die klassischen Planeten von Merkur bis Uranus und die Zwergplaneten wie Pluto, Ceres oder Xena.
Für diesen Entwurf einer Definition, ließ sich keine Mehrheit finden.
Stattdessen einigte man sich auf folgende neue Definition von Planeten:

1. Diese Planetendefinition gilt nur für unser Sonnensystem.
Das ist schade, dass man nichts fand, was für alle Sternsysteme gelten könnte. Vielleicht wird das im Zuge der Neuentdeckung von Planeten, die um andere Sterne kreisen, nochmal irgendwann neu aufgerollt werden müssen.

2. Ein Planet soll ab jetzt nur noch ein Körper sein, dessen Masse der Gesamtmasse aller anderen Körper in seinem Bahnbereich übertrifft. Will sagen, der auf seiner Bahn zumindest einigermaßen aufgeräumt hat.

Gerade letzteres trifft auf den Pluto nicht zu. Er bewegt sich im Kuiper-Gürtel mit zahlreichen anderen Himmelskörpern.

In unserem Sonnensystem gibt es also nur noch die acht klassischen Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, sowie Zwergplaneten, Monde und Kleinkörper. Pluto, Charon und Ceres sowie das kürzlich entdeckte Himmelsobjekt Xena sind Zwergplaneten und damit keine Planeten.

Als Kleinkörper gelten Asteroiden, Kometen und andere Objekte geringer Größe, die keine Monde sind und die Sonne umkreisen.

Bis heute entfacht die Diskussion um diese Definition immer mal wieder. Die Degradierung Plutos zum Zwergplaneten dürfte vor allem die Amerikaner tief getroffen haben, denn Pluto war der einzige Planet, der von einem Amerikaner entdeckt worden war.

Es standen noch andere Definitionen zur Auswahl, die bis heute immer mal wieder in Erwägung gezogen werden.

Das würde uns aber hier zu weit führen. Der Artikel soll ja nur beispielhaft zeigen, zu welch folgenschweren Entscheidungen die IAU, die mich eingeladen hat, bemächtigt ist.

Ich denke, es ist schade, dass Pluto nicht mehr dabei sein kann, aber die Zeiten ändern sich und durch die verbesserten Instrumente auch die Grundvoraussetzungen, die eventuell alte lieb gewonnene Definitionen in Frage stellen.

Wie oft wurde, was für uns viel folgenschwerer war, der Mensch von seinem Platz im Universum vertrieben.

Vom Mittelpunkt des Sonnensystems an den Rand, Dann war unsere Sonne nur noch ein Stern unter vielen, Wir waren kein Mittelpunkt im Universum mehr, und fristen unser Dasein am Rand einer Galaxie unter milliarden anderer. Als Trost für Pluto, werde ich einen meiner nächsten Artikel dem Pluto, seinen Monden und seiner Schönheit widmen.

Es grüßt euch bis zum nächsten Mal

Euer Gerhard.

Inspiring Stars – Inklusionstag auf dem Kongress der Internationalen Astronomischen Union 2018 in Wien

Seid herzlich gegrüßt,

heute darf ich mit euch ein unglaublich starkes Erlebnis teilen.

Und alles begann so:

Es muss so Mitte April gewesen sein. Es war ein Mittwoch Nachmittag zwischen 13:30 und 14:00 Uhr, als plötzlich im Büro mein Festnetztelefon klingelte. Auf dem mobilen Gerät hatte ich bereits eine andere dienstliche Telefonkonferenz laufen. Also stellte ich die kurz stumm und hob den Hörer ab.

Es war jemand aus Österreich, der mich anfragte, ob ich grundsätzlich bereit wäre, bei einem Inklusionstag auf dem Kongress der Internationalen Astronomischen Union 2018 in Wien, mit zu wirken.

Mir fiel fast der Hörer aus der Hand ob dieser Ehre, die mir hier scheinbar zuteil werden sollte.

Ich sagte sofort zu. Nun hieß es warten, denn aus dieser Anfrage musste erst noch eine offizielle Einladung werden. Mir wäre die alleinige Anfrage schon Ehre genug gewesen. Weiß ich doch, wie es ist, wenn man so große Konferenzen plant. Da fragt man an, kann dann aber nicht alle aufnehmen. Das ist kein Makel, wenn man so wo raus fällt.

Nun hörte ich im April nichts mehr, kein Zeichen im Mai und auch im Juni nichts. Ich dachte ohne Groll, dass es halt diesmal nicht klappt.

Und dann geschah es. Am 20.07., genau an meinem letzten Arbeitstag vor meinem Urlaub, kam der Anruf mit der offiziellen Einladung.

Nun musste alles relativ schnell gehen. Zum Glück unterstützte mich die IAU hier tatkräftig. Sie suchten mir ein Hotel, hatten bei der Konferenz Assistenz zur Unterstützung und vieles mehr.

Ich musste, und das war ein sehr hartes Stück Arbeit, meinen Vortrag basteln, Skript und Folien und alles auf Englisch mit Fragen am Schluss für maximal 15 Minuten.

Zum Glück ist meine Englische Übersetzung meines Buches so gut wie fertig. Somit konnte ich hier einiges als Basis nehmen und musste nicht alles selbst formulieren.

OK, gesagt, getan. Der Vortrag stand rechtzeitig, so dass ich ihn noch oft üben konnte, das Ticket war samt Umsteigehilfen gebucht und das Hotel reserviert.

Schwierig war für mich auf dieser Reise, dass ich keine eigene Assistenz oder Begleitperson zur Verfügung hatte. Ich fuhr ins blaue hinein in der Hoffnung nach wien, dass dort schon irgendwie alles funktionieren wird, so dass ich nicht verloren gehe.

Leider kam ich am 21.08. erst mal über eine Stunde zu spät auf dem Wellcome Meeting an, so dass es im Grunde schon wieder vorbei war, weil das Kongresszentrum schloss.

Die Hauptkoordinatorin Wanda, die eine blinde Berufsastronomin ist, und in Lissabon arbeitet, hat mich mit einer sehenden Studentin der Astronomie, vom Gleis abgeholt. Dann ging es durch den Wiener Untergrund, was super funktionierte.

Um das hier mal vorweg zu nehmen. Wanda war durchaus nicht die einzige blinde Astrophysikerin, die ich hier traf.

Es gab auch welche mit anderen Einschränkungen, z. B. durfte ich einem Vortrag beiwohnen, den ein total gehörloser Astrophysiker hielt, aber der Reihe nach.

Wie gesagt, lief am Anreiseabend dann nicht mehr viel. Ich wurde in mein Hotel gebracht, wo ich im Hotelrestaurant zu Abend aß. Da musste ich mich ohne Assistenz ganz schön durchfragen und um Hilfe bitten. In dieser Hinsicht war diese Konferenz ein sehr gutes Training für Orientierung und Mobilität und für die Überwindung, dauernd fragen zu müssen.

Meine Erfahrung ist eigentlich immer die, dass man sich vorher viel mehr Sorgen macht, als nötig.

So ging ich am nächsten Morgen mit mulmigem Gefühl im Magen ohne Hilfe zum Frühstücksbuffet. Immer dem Geschirrgeklapper und dem Kaffeeduft hinterher.

Und das sah zunächst nicht gut aus. Die Personaldecke war an diesem Morgen so dünn, dass man mir nur unter größten Schwierigkeiten hätte helfen können. Ich übte mich somit in etwas Geduld, bis die Rettung kam. Plötzlich sprang mir die sehende Ehefrau eines blinden Australischen Astrophysikers zur Seite. Wir drei kamen sofort ins Gespräch, diese liebe Frau versorgte mich einfach kurz mit und wir gingen nach dem Frühstück gemeinsam zu Fuß zum Konferenzzentrum.
OK, da konnte ich erst mal aufatmen, denn zum Zuhören bei Vorträgen brauche ich keine Hilfe. und der Aufbau meines Messestandes würde sich auch schon irgendwie finden.

Und genau so war es auch. Als ich mal meine Tische zugewiesen bekam, konnte ich ganz normal aufbauen, wie ich das bei meinen Vorträgen oft tue.

Ich hatte an Modellen alle Steinplaneten, den Mond und den Kometen Juri dabei. Außerdem noch taktile Mappen mit Darstellungen von Finsternissen, Sternbildern und mehr. Ein Highlight auf meinem Stand war sicherlich das sprechende Handplanetarium „Universe2Go“. Das war im Vorfeld noch etwas bockig, bis ich es hin bekommen hatte, dass es sowohl auf Englisch, als auch auf Deutsch quasi parallel auf meinem iPhone lief.

Nach dem Standaufbau war es dann auch schon Zeit, sich für die Vorträge in den Hörsaal zu begeben.

Bei dieser Veranstaltung „Inspiring Stars“ handelte es sich um einen Tag der offenen Tür, bei dem das Thema Astronomie und Inklusion im Vordergrund stand.

Die IAU hat die Chance erkannt, welche Astronomie für die Inklusion bietet.

Und die haben für diesen Tag richtig Geld in die Hand genommen. Es ist ganz erstaunlich, wie es dem Orga-Team gelungen ist, uns alle auf der ganzen Welt verteilt zusammen zu trommeln und einzuladen.

Und so starteten die Vorträge mit einem aus Mexiko, der wunderbar Synergien und wissenschaftsübergreifende Kooperation aufzeigte, die gerade erst durch den Inklusionsgedanken entstehen können.

Der nächste Vortrag wurde dann von dem blinden Astrophysiker gehalten, dessen Frau mich beim Frühstück so vortrefflich unterstützte. Er führte uns vor, wie sonifizierte Astrodaten, z. B. Helligkeitsausbrüche oder Strahlenausbrüche klingen können, und dass man diese Klänge nach etwas Übung wirklich interpretieren kann. Seine Software „Starsound“ werde ich ganz bestimmt mal ausprobieren.

Daran schloss sich dann eine Diskussionsrunde mit Wissenschaftsjournalen an. Hier ging es darum, wie die Zugänglichkeit hier verbessert werden könnte, z. B. dass Mathematikformeln nicht nur als Bildchen im Dokument erscheinen, sondern auch in einer für blinde lesbaren Form hinterlegt werden sollte, z. B. in LaTeX.

Insbesondere bei Ebook-Standards gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, die Dokumente barrierefrei zu gestalten, wo von häufig noch viel zu wenig Gebrauch gemacht wird.

Nach dem Mittagessen hörte ich einen ganz beeindruckenden Vortrag eines gehörlosen Astronomen. Er zeigte u. A., dass die Astronomie durchaus eine Wissenschaft ist, die traditionell von Wissenschaftlern mit Einschränkungen schon immer betrieben wurde und wird.

Das kann man in meinem Buch „Blind zu den Sternen“ im Kapitel  „Wissenschaftler mit vier Sinnen“ auch nachlesen.

Danach bestürmte uns auch schon die Kindergruppe des Österreichischen Computercamps. Wir stellten alle kurz unsere Stände vor, die es dann im Anschluss zu bestaunen galt.

http://occ-online.at/wordpress/

Von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr gab es dann auch noch einige öffentliche Vorträge. Darunter war auch der meine „Explore the Universe with four Senses“.

Parallel dazu lief immer die Ausstellung.

Ein starkes Erlebnis war auch, wie ergriffen der Generalsekretär der IAU über unsere Arbeit sprach, wie er sie würdigte und wie ernst ihm die Inklusion ist.

Da ich hier nicht alle Vorträge etc. erwähnen kann, gibt es hier den Link zum Programm in Englisch:

https://sites.google.com/oao.iau.org/inspiringstars

Und hier gibt es den Link zur Übersicht aller Stände, auch in Englisch:

https://sites.google.com/oao.iau.org/inspiringstars/the-exhibition?authuser=0

Ach ja, Interviews gab es natürlich auch noch.

Am Vormittag wurden einige von uns, auch ich, einzeln von einem Österreichischen Radio interviewt. Das war vielleicht ein seltsames Gefühl, von dem Reporter auf Englisch interviewt zu werden, obwohl wir das ebenso auf Deutsch hätten machen können. In der Sendung wäre das aber dann etwas irritierend. Die übersetzen das ja eh. Dann

ist das Interview selbst Englischer O-Ton bis Atmo. Das muss schon einheitlich sein.

Am Nachmittag hatte ich dann einen sehr interessierten Journalisten aus Österreich am Stand. Er begleitete die Kindergruppe des Computercamps.

Für einen Kinderkurier verfasste er einen sehr schönen und ergreifenden Artikel, der reichhaltig für die Gucklinge bebildert ist.

Was die Ausstellung betrifft, so habe ich diesem Artikel im Grunde nichts hinzu zu fügen.

Vielen Dank an Herrn Wagner, dem Journalisten, und seiner Redaktionsleitung, dass ich seinen Artikel hier veröffentlichen darf.

Der Artikel enthält derart viele Bilder, dass ich mir die Erlaubnis erbat, den Fließtext ohne Bilder hier einstellen zu dürfen, weil er mit Bildern für Screenreader sehr mühsam zu lesen wäre.

Für die Sehlinge gibt es natürlich dann auch noch den Link zum bebilderten Artikel.

Ich erlaube mir jetzt, einfach Herrn Wagner sprechen zu lassen.

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Planeten und andere All-Objekte be-greifen
Am Tag der offenen Tür beim internationalen Astronomiekongress in Wien gab es viele taktile Modelle, mit denen auch blinde und sehschwache Menschen Himmelserscheinungen erleben konnten.
Nach den Sternen greifen – dieser meist symbolische Satz, der viel verspricht, hat in einer spannenden Ausstellung beim internationalen Astronomie-Kongress (31. Generalversamlung der Internationalen Astronomischen Union) im Wiener Austria Center eine Art wortwörtliche Bedeutung. Himmelskörper und -phänomene zu be-greifen ist das Anliegen der möglichst barrierefreien Schau „Inspiring Stars“ (anregende Sterne).
Der Kinder-KURIER begleitete – mit einer Kollegin aus der Inklusiven LehrRedaktion – eine Gruppe Jugendlicher des in dieser Woche laufenden Computer-Camps im BundesBlindenInstitut diese Ausstellung. Julia und Lara tasteten mit ihren Händen zunächst Modelle von Mars, Merkur und Erde ab. Zu diesem Vorgang sagen sie sowie ihre Kolleg_innen übrigens immer „anschauen“.
Am Stand von Gerhard Jaworek kann auch ein Modell vom Mond und eines Meteors be-griffen werden. Jaworek, der selber blind ist und schon als Kind die Liebe zur Astronomie entdeckte, hat diese Modelle so wie seine Kolleg_innen an den anderen Stationen mittels 3D-Drucker angefertigt. Er hat aber auch informative Hefte – auf Deutsch und auf Englisch – zu den Planeten erstellt – in Reliefdruck – also mit erhabenen, be-greifbaren, Stellen sowie auch in Braille-Schrift. Jaworek demonstrierte auch sein „sprechendes Hand-Planetarium“. Dazu platzierte er sein SmartPhone in einer Vorrichtung, wie sie von Virtual-Reality-Brillen bekannt ist, schloss sie an einen Lautsprecher an – und im absoluten Dunklen kann durch die Geräusche des Universums navigiert werden. „Die Sonne sendet ein sehr spannendes Radioprogramm aus“, schreibt er etwa in seinem Buch (siehe Infos unten).
Neben angreifbaren Modellen – übrigens auch von einem stark vergrößerten Blatt eines Laubbaumes oder von Entwicklungsphasen von Pilzsporen – gab es auch etliche Stationen, in denen Sichtbares aus dem Weltall in Töne „übersetzt“ wird. Tiefe Töne für dunkle Stellen und hohe bis höchste für (sehr)helle Stellen. Viola und Laura hörten etwa über eine Handy-App so mit der Bewegung ihrer Finger eine dargestellte Sonnenfinsternis. Die konnten sie auch spüren, weil diese App das Gesehene nicht nur in Töne, sondern auch in Vibrationen verwandelt.
Bei einer anderen Station nahmen Natalie, Eli und Maximilian an einem Hör-Quiz teil, bei dem es um Zuordnung von Gehörtem und Frequenz-Kurven ging. Sofia und Emma tasteten be-greifbare Koordinatensystem des Weltalls ab, Igor, Dimana und Martina be-griffen sechs Sternbilder auf den Seiten eines großen Würfels und nebenan noch eines mit unterschiedlich warmen Lämpchen. Dabei handelt es sich um eine der Stationen, von der auch Sehende mehr an Information und Wissen haben, als von herkömmlichen Sternbildern. Denn die unterschiedlich warm leuchtenden Lämpchen weisen auch darauf hin, dass die Sterne ja nicht alle die gleiche Temperatur haben.
Das gilt übrigens auch für das Modell des Orion-Nebels, das Fabian, Stefan und Maximilian unter die Finger nahmen. Während Sternbilder – sowohl am Himmel als auch in Darstellungen für Sehende ausschauen, als wären sie alle gleich weit entfernt, sind in diesem Modell die Kugeln, die für die wichtigsten Sterne dieses „Nebels“ stehen, unterschiedlich weit von der Ausgangsplatte entfernt. Verschiedene Farben zeigen wieder Temperatur-Unterschiede an.
„Wir wollen den Himmel zu allen bringen!“ Dieser Satz war am Tag der offenen Tür bei diesem Kongress oft zu hören. Leider gab’s nur einen solchen Tag bei der noch bis Ende August laufenden Tagung. Aber die Idee „Inspiring Stars“ war über den ganzen Kongress hinweg allgegenwärtig, weil viele Exponate die ganze Zeit ausgestellt wurden. Somit wurde diese Botschaft weit in die Astronomische Gemeinschaft getragen.
„Das Wichtigste für Menschen mit Blindheit ist es, den Mut zu haben, sich etwas vorzustellen und mit sehenden Menschen über ihre Vorstellungen ins Gespräch zu kommen ohne die Angst, ihre Vorstellung könnte falsch sein“, schreibt Gerhard Jaworek in seinem Buch „Blind zu den Sternen – mein Weg als Astronom“ (Verlag Aquensis Menschen, 14 €).
http://www.iau.org
Den Sternen zuhören
Der im Bericht erwähnte Gerhard Jaworek ist übrigens nicht der einzige unter den Astronom_innen des Kongresses, der nichts sieht. Wanda Diaz Merced, die am Observatorium von Kapstadt (Südafrika) forscht, wurde sogar über einen TED-Talk im kanadischen Vancouver (2016) bekannt, wo sie über ihre Spezialität, das Hören der Sterne, sprach. Zu einem kurzen Bericht und Video im Artikel geht es hier unten.

https://futurezone.at/science/wie-blinde-menschen-das-universum-erforschen-koennen/400094708

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Und hier kommen alle Gucklinge auf die versprochene Augenweide

https://kurier.at/kiku/planeten-und-anderes-aus-dem-all-be-greifen/400098848

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Was wäre ein Artikel dieser Länge ohne Fazit:

* Der Inklusionstag war ein großartiger Erfolg.

  • Hier wurde etwas angestoßen, das sicherlich noch reichhaltige Früchte tragen wird.

* Es hat sich alles bestätigt, was ich jemals in meiner „Inklusion am Himmel“ gesagt und postuliert habe.

* Es ist für mich von unschätzbarem Wert, hier dabei gewesen sein zu dürfen.

  • Nicht jeder Zugang zu Astronomie ist für alle Menschen geeignet, aber es gibt einen Zugang für jeden

 

Was fehlt noch? Unbedingt eine kleine Danksagung.

Ich danke der Leitung des Studienzentrums für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) http://www.szs.kit.edu für seine Unterstützung

Die Leitung, die mich hier unterstützt und diese Arbeit mit trägt, würdigt und schätzt,

der Mitarbeiter, der mir mal schnell noch zehn neue taktile Mappen in Englisch erstellt,

die Mitarbeiterin, die mir in einer affenartigen Geschwindigkeit noch bei der Erstellung eines Posters hilft,

der Kollege, der mir immer mal wieder das eine oder andere Modell durch den 3D-Printer lässt

und meine Arbeitsplatzassistenz, die mir bei der Gestaltung meiner Folien half und mir die Züge buchte.

Ohne euch alle, könnte ich diese Arbeit niemals so durchführen.

 

Sicherlich habe ich, wie das immer so ist, nicht alle erwähnt. Dank auch an die nicht erwähnten. Ihr seid nicht minder an diesem ewigen Projekt beteiligt.

 

So, jetzt hoffe ich, dass meine und auch Herrn Wagners Freude und Begeisterung hier auf euch übergeht.

Die Abreise erspare ich uns an dieser Stelle.
Alles gute bis zum nächsten Mal wünscht euch

Euer Gerhard Jaworek.